Auburn – Ein Oldtimer, von dem nicht nur Männer träumen

Wer mich kennt weiß, dass ich über die vergangenen Jahre zu einem großen Oldtimer-Fan geworden bin. Und daher habe ich mich sehr darüber gefreut, dass ich neulich einen der schönsten Oldtimer fotografieren durfte, die in den USA gebaut wurden: einen Auburn Speedster Supercharged von 1936.

“Speedster” bedeutet “sportlicher Wagen mit zwei Türen und zwei bis drei Sitzen”, “Supercharged”, dass ein Kompressor dem Motor noch ein bisschen mehr Power gibt als er sonst schon hat.

Vintage Fotoshooting mit Gretel Rosengard und einem Auburn

Fotoshooting am Rhein

Mit dem Fotomodel Gretel Rosengard habe ich auf den Rheinwiesen bei Köln einen ganzen Nachmittag verbracht. Gretel hat eine besondere Vorliebe für die 40er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Daher hatte sie einen großen Koffer voller Kleider und Accessoires mitgebracht, die zu der Zeit Ende 1930 und Anfang 1940 passten.

Leider meinte es die Sonne an diesem Tag viel zu gut mit uns. Obwohl es stellenweise bewölkt war, knallte sie doch meist erbarmungslos herunter. In solchen Fällen fotografiere ich immer in Blickrichtung zur Sonne, also ins Gegenlicht. Ich weiß, es gibt eine fotografische Lehrmeinung, man solle das nicht. Aber ich mache das sehr oft und erziele damit sehr gute Ergebnisse, die das widerlegen.
Meine Vorgehensweise hat zwei entscheidende Vorteile: Zum einen braucht das Model wegen des hellen Lichts nicht zu blinzeln. Zum anderen wird das Gesicht gleichmäßig ausgeleuchtet, in meinem Fall beschattet. Wenn die knallige Sonne auf das Gesicht scheint, dann kommt es in der Regel zu harten Hell-Dunkel-Kontrasten. Besonders Menschen mit tief liegenden Augen haben dann meist sehr dunkle Augenhöhlen.

HDR-Fotos ohne kitschige Farben

Natürlich entstehen auch und gerade beim Fotografieren ins Gegenlicht starke Kontraste und nicht selten Blendenflecken auf dem Objektiv. Letzteres vermeide ich mit einer Gegenlichtblende und indem ich zusätzlich meine linke Hand vor das Objektiv halte, etwas oberhalb des “Gesichtskreises” der Linse.
So habe ich es auch bei dem Shooting mit dem Auburn gemacht.

Zusätzlich wendete ich aber noch einen Kniff an: Ich machte in schneller Reihenfolge eine Belichtungsreihe. Das erste Foto war eine Zeitstufe (1/4000 Sek.) unterbelichtet, das zweite ohne Belichtungsausgleich (1/2000 Sek.) fotografiert und das dritte um eine Zeitstufe (1/1000 Sek.) reicher belichtet.
Mit Gretel hatte ich zuvor abgesprochen, dass ich jeweils drei Aufnahmen pro Motiv mache und sie daher solange still stehen möge. Um diese Zeit so kurz wie möglich zu halten, aktivierte ich bei meiner Kamera die Funktion Reihenaufnahme. Das funktionierte sehr gut. Gretel blieb still stehen, der Auburn sowieso.

Später habe ich mit der HDR-Funktion in Lightroom die Fotos zu einem zusammengefügt. Durch die drei unterschiedlich belichteten Fotos hatte ich optimale Möglichkeiten, um sowohl in den hellen Stellen als auch in den dunklen Partien die Helligkeit zu steuern und anzupassen. Der Himmel und die Schatten unter dem Auto hatten ausreichend Zeichnung und fraßen nicht aus beziehungsweise soffen nicht ab.
Ich habe die Fotos mit Lightroom zusammengefügt und nicht mit einem Spezialprogramm, weil ich keine dieser quietschbunten Fotos haben wollte. Mir ging es einzig und allein um einen möglichst großen Kontrast- beziehungsweise Helligkeitsumfang. Und hierbei leistet Lightroom großartige Hilfe.

Die komplett unbearbeiteten Fotos: Das linke Bild habe ich mit 1/4000 Sek. belichtet, das mittlere mit 1/2000 Sek., das rechte mit 1/1000 Sek. Um den Hintergrund möglichst unscharf zu erhalten, war die Blende war in allen drei Fällen 4,0.

Die Automarke Auburn

Der Auburn Speedster Supercharged ist eigentlich ein Deutscher. 1902 hatten die Brüder Frank und Morris Eckhard das Automobilunternehmen gegründet. Die beiden Kutschenbauer waren deutsche Auswanderer, die in den Vereinigten Staaten von Amerika ein neues Leben begonnen hatten. Da sie in Auburn (Indiana) lebten, benannten sie ihre Firma nach dieser kleinen Stadt, die etwa auf halber Strecke zwischen Chicago und Detroit liegt.

Doch eine lange Zukunft hatten Frank und Morris Eckhard als Automobilbauer nicht vor sich. Aufgrund von Finanzproblemen mussten sie ihre Firma 1938 schließen. Zwei Jahre nachdem der Auburn, den ich fotografiert habe, gebaut wurde. Zwar gab es in den nachfolgenden Jahrzehnten immer wieder Interessenten, die die Marke Auburn wieder zum Leben erwecken wollten. Doch niemand hatte bislang den erforderlichen langen Atem.

Portrait des Fotografen und Blog-Betreibers Heiko Kalweit

Glück auf, ich bin Heiko Kalweit aus Dortmund

in diesem Blog gebe ich Einblicke in meine Arbeit, zeige Euch Fotos von Shootings und gebe Tipps zu den Themen Fotografie und Photoshop.

Ich blicke aber auch über den Tellerrand hinaus und schreibe über Dinge, auf die ich bei meiner fotografischen Tätigkeit stoße und interessant finde.

2 Kommentare zu „Auburn – Ein Oldtimer, von dem nicht nur Männer träumen“

  1. Hi Heiko,

    toller Artikel, danke, erzählt wunderbar gleichermaßen aus der Welt der Fotografie wie dem Oldtimer-Universum – und herrlich locker geschrieben (“Gretel blieb still stehen, der Auburn sowieso.”).

    Ich bin zwar nur Besitzerin eines Youngtimers, eines SAAB 900 Capriolets (- und auch das wird älter! -), kann mich aber guten Stories rund um edle Karossen anderer Marken immer wieder neu erfreuen! Nur her damit!

    Herzliche Grüße aus dem Dortmunder Kreuzviertel!
    Marie

    1. Liebe Marie,
      herzlichen Dank für Deinen schönen Kommentar. Ich freue mich, dass Dir der Artikel sowie die Fotos gefallen. Oldtimer und Vintage sind eine große Leidenschaft von mir.
      Ich habe gerade mal im Netz nach deinem Saab gegoogelt. Der gefällt mir aber auch sehr gut.

      Viele Grüße
      Heiko

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