Bereits “Game over” bevor die Hochzeit beginnt

Auf der Ferse der Schuhe des Bräutigams steht "Game over" geschrieben
Kleine Strasssteine bilden auf Christians Fersen das Wort “Game over”

Kleine und große Überraschungen erlebe ich immer wieder auf den Hochzeiten, die ich begleite.

Nein, ich meine nicht jene Überraschungen, die Braut und Bräutigam ordentlich ins Schwitzen bringen, weil zum Beispiel die Visagistin beziehungsweise Friseurin erst auf den allerletzten Drücker fertig wird, oder weil das Brautpaar beim Läuten der Glocken bemerkt, dass die Ringe zu Hause auf der Anrichte liegen. Auch nicht, weil der Caterer mit dem Buffet nicht aus dem Quark kommt und die Gäste erst viel später als geplant speisen können.

Ich meine vielmehr jene Dinge und Begebenheiten, die Bräutigam, Braut oder die Gäste sich als kleines Bonbon oder Gag für die Hochzeit überlegen.

Game over

So habe ich vor einiger Zeit die standesamtliche Trauung von Sabine und Christian begleitet. Während meine Mitarbeiterin das Getting-Ready der Braut fotografierte, war ich bei Christian, um dessen Vorbereitungen festzuhalten. Als er mir seinen Anzug zeigte, viel mein Blick auf die Schuhe, ein paar blaue Sneekers. Grinsend bückte er sich und zeigte mir den Fersenbereich. Auf den einen Schuh hatte er das Wort “Game”, auf den anderen “over” geklebt.
Die Gäste quittierten den Spaß mit einem Grinsen, als sie ihn von hinten sahen. Und Sabine? – Sabine hat ihn geheiratet. Dann war das Spiel für ihn vorüber und das Eheleben begann. 😉

Mit dem Fahrrad zum Standesamt

Der Bräutigam fährt mit dem Fahrrad zum Standesamt Dortmund
Philipp fährt mit dem Fahrrad zum Standesamt Dortmund
Ein Schild mit der Aufschrift "Soon to be married" hängt am Lenker des Fahrrads des Bräutigams
Mit einem Augenzwinkern: Philipps Botschaft

Gerade an ihrem schönsten Tag fahren Brautpaare gern mit einem besonderen Fahrzeug zum Standesamt oder zur Kirche. Oldtimer, Stretchlimousine oder ein flotter Sportwagen, die Bandbreite, die ich erlebe, ist riesen groß.

In der Regel erlebe ich Oberklasse-Wagen mit jeder Menge Pferdestärken. Kein Wunder, denn im Fond ist für gewöhnlich viel Platz für die Hochzeitskleider.

Philipp aber hatte sich einen ganz besonderen Spaß für seinen großen Tag ausgedacht: Statt mit einem schicken Auto erschien er auf seinem Fahrrad vor dem Dortmunder Standesamt. Schon von weitem war der Bräutigam laut und deutlich zu vernehmen: Dosen, die er an einer Leine hinter seinem Fahrrad herzog, hoppelten laut und fröhlich über das Kopfsteinpflaster und kündigten der verblüfften Hochzeitsgesellschaft sein Kommen an.

Ich war als einziger in seinen Plan eingeweiht und hatte daher meine Kamera “schussbereit” zur Hand.
Sein Fahrrad war ein Damenrad, mit dem Philipp viel unterwegs ist. Selbstverständlich hatte er es für diesen Tag geputzt und sogar geschmückt.
Am Lenker war ein Zettel befestigt, auf dem “Soon to be married . . .” geschrieben stand. Am Sattel hingen schwarze und gelbe Luftballons, mit denen er seine Verbundenheit zu Borussia Dortmund zeigte.
Aber auch Philipp selbst war ein Hingucker. Denn in einem dreiteiligen Anzug aus blauem Tweed fuhr der Bräutigam an der Berswordthalle vor. Katrin gefiel sein Outfit übrigens auch. Nachdem diese in einem Auto am Standesamt vorgefahren war, fiel sie ihm in die Arme und gab ihm einen Kuss.

Zur Feier fuhr das Hochzeitspaar dann gemeinsam . . . nein, nicht auf dem Fahrrad mit ihr auf dem Gepäckträger. Die beiden ließen sich mit einem Auto chauffieren – das Fahrrad lag im Kofferraum.

Socken gegen “kalte Füße”

Socken für den Bräutigam
Die Braut sorgte sich nicht wirklich um warme Füße. 😉

Nicht nur Bräutigame haben den Schalk im Nacken. Auch die Bräute überlegen sich gern eine witzige Überraschung.

Zum Beispiel Nicole. Ein paar Tage vor der Trauung hatte sie ein paar dunkle Herrensocken gekauft. Soweit nichts ungewöhnliches. Aber die Banderole mit dem Firmenlogo ersetzte sie gegen eine selbstgestaltete. Mit Adobe Photoshop und einem Farbdrucker druckte sie auf einen Papierstreifen folgendes: “Schatz, für den Fall, dass du kalte Füße bekommst Ich liebe Dich . . .”
Ihre künftige Schwiegermutter wählte sie anschließend zur Komplizin.

Max, der sich in einem Hotel und fern von seiner Zukünftigen für die Hochzeit schick machte, ahnte nichts, als seine Mutter ihm grinsend ein kleines, liebevoll in Geschenkpapier verpacktes Präsent gab. Voller Vorfreude auf das, was Nicole ihm schönes schenken würde, packte er das Mitbringsel aus und musste herzhaft lachen, als er den Text auf den Socken las.

Max hat übrigens keine kalten Füße bekommen und Nicole geheiratet.

Brautleute wollen hoch hinaus

Vor derKirche fährt Feuerwehrmann mit seiner Braut in der Drehleiter gen Himmel
Jenni und Patrik “fahren” mit der Feuerwehr-Drehleiter in RichtungWolke sieben

Nicht nur die Brautleute sind für eine Überraschung gut. Oft – und das ist meiner Erfahrung nach am häufigsten der Fall – sind es die Gäste oder Arbeitskollegen, die der Hochzeit das I-Tüpfelchen aufsetzen.

Das habe ich zum Beispiel auf der Hochzeit von Jenni und Patrik erlebet.

Patrik ist Feuerwehrmann bei der Berufsfeuerwehr Dortmund.
Als die beiden nach der Trauung durch das Portal der Lutherkirche (Asseln) schritten, erwarteten seine Kollegen die beiden. Die Feuerwehrleute waren mit drei Fahrzeugen erschienen. Als Jenni die Drehleiter mit dem Korb auf dem Boden erblickte, wusste sie gleich, was ihr bevorstehen würde: Eine “Fahrt” gen Himmel. Und richtig, einer der Feuerwehrleute öffnete einladend den Korb und bat die beiden mit einer Handbewegung hinein.

Da Patrik selbst Feuerwehrmann ist, übernahm er die Fahrt nach oben. Langsam steuerte er Jenni und sich in Höhe des Kirchturms, begleitet von den Blicken der Hochzeitsgesellschaft und der Passanten, die das ungewöhnliche Treiben vor der Lutherkirche beobachteten.

Als die beiden zwar nicht Wolke sieben, dafür aber die Oberkante des Kirchendachs erreicht hatten, ließen die Gäste Ballons, die zuvor verteilt worden waren, steigen. An diesem warmen Sommertag war das vor dem makellos blauen Himmel das farbige I-Tüpfelchen auf dem bereits schon spektakulären Feuerwehr-I-Tüpfelchen.

Aber die Überraschung war damit noch nicht vorüber. Denn Jenni und Patrik hatten einen ganz besonderen Brautwagen: Mit einem Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr Asseln fuhren die beiden schließlich zu ihrer Feierlocation.

Feuerwerk – Der farbige & laute Tusch fürs Brautpaar

Feuerwerk
Feuerwerk
Feuerwerk
Feuerwerk

Eine tolle Überraschung war die Hochzeit von Christian und Jessica. Sein Vater hatte am Abend eine wunderschöne Überraschung parat: ein Feuerwerk. Gegen 22 Uhr, als über dem Haus Herbede (Witten) bereits der Nachthimmel erschienen war, bat der Vater die Festgesellschaft nach draußen.

Und mehrere Minuten lang illuminierten Pyrotechniker den Himmel mit farbigen Raketen und Böllern.

Manchmal geht die Überraschung nach hinten los

Nicht immer sind die Aktionen, so gut sie auch gemeint sein mögen, ein großer Spaß für alle. Manchmal können sie sich zum Rohrkrepierer entwickeln.

Ein alter Brauch: Baumstammsägen

Das Zersägen eines Baumstamms ist ein Brauch, den es schon seit Jahrzehnten gibt und der immer noch auf nahezu jeder Hochzeit gepflegt wird. Alle haben ihren Spaß daran – solange die Säge scharf ist. Auf einer Hochzeit habe ich erlebt, dass dies leider nicht der Fall war. Und so hat sich das Brautpaar mehrere Minuten abgemüht, um den Stamm durchzusägen. Schließlich gaben sie es auf.

Reis und Konfetti

Regen von Reis und Konfetti sind auch recht beliebte Aktionen, wenn das frisch vermählte Brautpaar die Kirche, Kapelle oder das Standesamt verlässt. Allerdings nur dann, wenn es erlaubt ist.
Im Haus Herbede in Witten und an der Kapelle im Revierpark Wischlingen (Dortmund) ist beides untersagt.
Auf einer Hochzeit habe ich es erlebt, dass es am Haus Herbede sogar ein kleines Donnerwetter seitens der Pächter gab, als sie die Bescherung auf dem Boden sahen. Das Brautpaar und die Gäste mussten den Reis schließlich beseitigen.

Farbige Maisbällchen

Ein Rohrkrepierer im Revierpark Wischlingen war leider auch die gut gemeinte Überraschung der Gäste, farbige Maisbällchen statt Reis oder Konfetti zu werfen. Als das Brautpaar im Eingang erschien, sah der farbige “Regen” zwar sehr schön aus. Den Gesetzen der Schwerkraft gehorchend landeten die Bällchen aber auf dem Boden und verklebten beim Drauftreten die Sohlen der Schuhe. Wir alle hatten schließlich einige Mühe unsere Schuhe von den Bällchen zu säubern – und die es gut meinenden Gäste, den verunreinigten Bereich der Kapelle zu reinigen.

Viel zu viele Überraschungen

Es gibt Hochzeiten, an denen Überraschungen kein Ende nehmen wollen. Das ist besonders dann der Fall, wenn das Brautpaar mit den Arbeitskollegen befreundet sowie in mehreren Clubs und Vereinen Mitglied ist und sonst auch sehr umtriebige Freunde, Verwandte und Bekannte hat.

Auf einer Hochzeit im Münsterland habe ich diesen Fall erlebt. Nach dem Essen wollte jede Gruppe das Paar mit Aktionen, Dönekes und sogar einem kleinen Sketch überraschen. Alles lief nach einander ab. Doch nach etwa 20 Minuten fiel mir auf, wie die ersten ungeduldig wurden. Immer mehr warteten auf den Hochzeitstanz der Brautleute.

Irgendwann, ich habe die Dauer vergessen, war es denn auch so weit. Und das Brautpaar “durfte” endlich den Tanzabend eröffnen.

Mit Vorbereitung und Augenmaß

Es mag sich platt anhören, aber es ist meiner Erfahrung so: Die Hochzeit sollte gut vorbereitet und mit Augenmaß geplant werden, damit negative Überraschungen so gut wie nur möglich ausgeschlossen werden.

5 Tipps

  1. Fragen Sie im Vorfeld bei der Stadt- oder Gemeindeverwaltung, im Pfarrbüro, ob Reis oder andere Dinge geworfen werden dürfen.
  2. Überlegen Sie sich, auf welche Überraschungen sie auf jeden Fall verzichten möchten und schreiben Sie dies auf.
  3. Bestimmen Sie eine Art Zeremonienmeister, der den groben Ablauf koordiniert. Das kann eine Freundin oder ein Freund sein, die/der (fast) alle Gäste kennt. Bruder, Schwester oder Trauzeugen sind auch denkbar. Geben sie ihnen diese Liste.
  4. Die Zeremonienmeister sind dann im Vorfeld und auf der Feier die Ansprechpartner und können das Geschehen rund um die Hochzeit koordinieren. Und ganz wichtig: Sie können frühzeitig eingreifen, wenn sie von Überraschungen hören, die nicht gewünscht sind oder einfach aufgrund der Anzahl zu viel sind.
  5. Die Einsetzung eines Zeremonienmeister hat zwei große Vorteile: Die Brautpaare müssen sich um den Ablauf des Tages nicht kümmern. Und die Koordinierungsperson kann mit viel Takt und Fingerspitzengefühl Aktionen auf den Tag verteilen, sodass nicht das ganze Pulver aufgrund einer Aneinanderreihung von Überraschungen verpufft.

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