Oldtimerliebe: Ein Haus, eine Frau, ein Kind, eine Eiche . . . und einen Morgan

Viele Jahre lang habe ich bei den Ruhr Nachrichten als Lokalredakteur gearbeitet. In dieser Zeit rief ich eine Artikelserie über Oldtimerliebhaber aus der Stadt Selm ins Leben. Der nachfolgende Text ist ein Beitrag aus dieser Sommerserie. Der Ausflug, den ich noch in lebendiger Erinnerung habe, ist der Grund für meine Leidenschaft gerade für den immer noch in England produzierten »»Morgan.

Da der Fotograf unserer Redaktion damals keine Fotos von der Story gemacht hat, zeige ich am Ende dieses Blog-Beitrags Fotos, die ich vor einiger Zeit mit Manfred Breyers beiden Morgans gemacht habe.

 

Ein Morgan Plus 8. Kulisse war ein Bauernhof in Selm

„Schnallen Sie sich an – und ziehen Sie richtig fest“, fordert Manfred Breyer mich auf. Ich ahne nichts böses, stutze nur ein wenig, als ich in dem grünen Morgan Plus 8 Platz nehme und mich nicht in einem üblichen Drei-Punkt-, sondern in einem Fünf-Punkt-Gurt wiederfinde. Verschnürt wie ein Paket. Als Breyer den Motor anlässt, dröhnt aus dem Auspuff tiefes Blubbern. Ohne Vorwarnung drückte er das Gaspedal durch und lässt die Kupplung fliegen.

Hart gefedert

Der Morgan macht einen Satz, drückt Fahrer und Beifahrer in die Sitze und flitzt mit einer enormen Beschleunigung über die Straße. In 5,2 Sekunden auf 100 Stundenkilometer, wie Breyer nach der Spritztour erzählen wird. Doch noch ist an ein Gespräch nicht zu denken. Flott geht es übers Land und rasant durch die Kurven. Mir schießt durch den Kopf: Reicht dafür der Führerschein, oder braucht man eine Fluglizenz?

Das englische Auto liegt wie ein Brett auf der Straße. Jede Unebenheit, jedes Schlagloch sind zu spüren. „Das Morgan-Fahrwerk ist so hart, dass der Fahrer weiß, ob sie mit oder ohne Filter ist,  wenn er über eine Zigarettenkippe fährt“, zitiert Breyer schmunzelnd auf einer langen Geraden einen geflügelten Morgan-Spruch. Später, nach dem Ausflug, erzählt Breyer, dass er den „Morgan Plus 8“ 1998 in Süddeutschland gekauft hat. Zwar in einem fahrbereiten Zustand, „doch das war mir nicht gut genug, weil ich das Auto so haben wollte, dass ich langfristig keine technischen Probleme habe“.

Hobby-Schrauber

Also fing der Selmer an, den 1972er Roadster zu restaurieren. „Und plötzlich hatte ich ihn ganz auseinander.“ Der Hobby-KFZ-Mechaniker ersetzte jede Schraube, imprägnierte das hölzerne Fahrwerk gegen Holzwürmer, baute einen Überrollbügel und Fünf-Punkt-Sicherheitsgurte ein. Da die Heizung den Morgan nur schwerer machte, flog sie raus. Auch den Motor nahm Breyer komplett auseinander und gesellte zu den 153 PS weitere 47 Pferdestärken.

„Das Faszinierende an dem Auto ist die Form mit der lang gestreckten Motorhaube und dem kurzen Heck“, antwortet der 53-Jährige, weshalb er so für die englische Marke schwärmt.  Außerdem vermittele der Roadster ein tolles Fahrgefühl. Als er mit 18 bei einem Importeur in Unna einmal probefahren durfte,  „war es für mich klar: neben einem Haus, einer Frau, einem Kind und einer Eiche wollte ich auch einen Morgan besitzen.“ 1989 erfüllte sich der Familienvater mit Eigenheim seinen motorisierten Traum.

Hatte Breyer bereits als 18-Jähriger Autorennen bestritten, packte ihn auch als Morgan-Fahrer das Wettkampffieber. So gesellte sich wenige Jahre später zu dem „Morgan plus 8“ ein „Morgan 4/4“.  „Den habe ich aufgebaut und bin damit rund zehn Jahre historische Rennen gefahren.“

Vize-Europameister

Auf allen Strecken zwischen, Monza und Silverstone ist er zu Haus. So nahm er bereits an der „Triumph-Competition“ teil und an der Meisterschaft für englische, historische PKW. 1997 wurde der 53-Jährige Vize-Europameister. Und wenn es das Wetter zulässt, unternimmt er mit seiner Frau Marita am Wochenende Ausflüge durch das Münsterland – schön piano, aber immer mit angelegten Fünf-Punkt-Gurten. • Text & Fotos: Heiko Kalweit

 

Der Artikel, den ich damals geschrieben habe
Das Schloss Sandfort in Olfen-Vinnum war eine wunderschöne Kulisse für die Fotos
Ein Morgan 4/4 von 1938 vor dem Schloss Sandfort in Olfen mit dem Fotomodel Tinka Demand
Ein Morgan 4/4 von 1938 vor dem Schloss Sandfort in Olfen
Tinka Demand an dem Morgan 4/4
Der Kühler eines Morgan
Das Morgan-Cockpit ist stets elegant
Morgan-Besitzer achten auf Details

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.