Markenware statt Billigprodukte aus Fernost?

Markenware In der Fotografie

Wer fotografiert, weiß: Kameras und technische Ausrüstung wie Objektive, Blitze und Stative verschlingen sehr viel Geld. Gerade wer wie ich seinen Lebensunterhalt mit der Fotografie bestreitet, muss für das erforderliche Equipment oft tief in die Tasche greifen.
Nicht wenige kaufen daher statt Markenware lieber Produkte aus Fernost, die seit einigen Jahren auf den Weltmarkt und damit auch nach Deutschland strömen.

Ich gestehe es, lange Zeit habe ich auch dazu gehört und habe geschaut, wo ich Equipment für ein paar Hundert statt für ein paar Tausend Euros erhalte.
Als ich mich als Fotograf selbstständig machte, erwarb ich zum Beispiel zwei Studioblitze und einen Aufsteckblitz aus Fernost. Denn zu jener Zeit war mir die Markenware von Broncolor, Hensel, Elinchrom oder Profoto viel zu teuer.

Unliebsames Erlebnis auf einer Hochzeit

Seit einem Erlebnis im Sommer 2018 sehe ich das Ganze mit anderen Augen. Im Mai habe ich eine Hochzeit fotografiert. Wie ich es immer mache, war ich  eine halbe Stunde früher an der Kapelle im Revierpark Wischlingen (Dortmund), um die Gäste beim Eintreffen zu fotografieren.

Viele der Paare bat ich einen Augenblick stehen zu bleiben, um von Ihnen Portrait-Fotos zu machen. Da ich gegen die Sonne fotografierte, hellte ich mit meinem Aufsteckblitz die Gesichter auf. Bei einem Paar vernahm ich beim Fotografieren plötzlich Kunststoffgeruch. Ich schaute nach unten an meine linke Seite und entdeckte Qualm und ein kleines Feuerwerk.

Feuerwerk statt Blitzlicht-Power

Was war geschehen? – Der tragbare Akku »»Fomito Godox PB960  hing an einem Riemen über meine Schulter. Mit der zusätzlichen Power wollte ich erreichen, dass sich der Blitz schneller auflädt als nur mit der Kraft der vier AA-Batterien.
Doch statt mehr Strom zu liefern, schlugen aus dem Akku plötzlich viele kleine Funken, und zwar dort, wo das Kabel eingestöpselt war. Ich legte das Gerät sofort auf den Boden und trennte die Stromeinheit von dem übrigen Gerät. In einer halbwegs ruhigen Minute probierte ich den Fomito noch mal aus. Aber er funktionierte nicht mehr. Das Gerät war offensichtlich überlastet und nicht in der Lage das zu erledigen, wofür es gebaut war und ich es gekauft hatte.
Ich hatte es erst wenige Wochen zuvor bei Amazon bestellt.

Schlechte Karten nach der Gewährleistungszeit

Es war nun keine große Sache, das Gerät zu reklamieren. Da sich der Vorfall in der gesetzlichen Gewährleistungszeit ereignete, waren die Mitarbeiter hilfsbereit und überwiesen mir prompt den bezahlten Betrag.
Als das Geld schließlich auf meinem Konto eingetroffen war, stellte ich mir diese Frage: Was wäre gewesen, wenn der Akku sich nicht innerhalb der gesetzlichen Gewährleistungszeit von zwei Jahren sondern nach drei oder vier Jahren verabschiedet hätte?

Ich hätte es nicht mehr bei Amazon beanstanden können. Aber eine Reparatur wäre sicher auch nicht möglich gewesen. Zum einen kennt sich in Deutschland bestimmt kein Elektroniker mit chinesischen Produkten aus. Zum anderen hätte man das Gerät aufbrechen müssen, weil es nicht zusammen geschraubt sondern verklebt war. Und es nach China schicken und dort reparieren lassen? Das wäre ein immenser Aufwand. Und wer weiß, ob der Hersteller diesen Service überhaupt anbietet.

Gewährleistung & Garantie

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass manche Verkäufer bewusst oder aus Unkenntnis der Rechtslage sich bei einer Reklamation falsch verhalten. In der Regel wollen sie das defekte Gerät einschicken und reparieren lassen.

Das muss sich der Käufer nicht gefallen lassen und kann innerhalb der ersten beiden Jahre stattdessen ein Neugerät verlangen. Welche konkreten Rechte wir als Verbraucher haben, beschreibt die Verbraucherzentrale in dem Beitrag »»Gewährleistung des Händlers.

Viele verwechseln Garantie und Gewährleistung. Auch hierzu hat die Verbraucherzentrale einen interessanten Beitrag geschrieben: »»Sind Gewährleistung und Garantie dasselbe?

Einen guten Überblick gibt auch der Artikel »»Garantie und Gewährleistung: Was sind die Unterschiede?”

Wer preiswert kauft, kauft doppelt

Für ein preiswertes Produkt wäre das sicherlich verschmerzbar. Aber wenn ein Blitz wie etwa der Godox A600 Pro fast 900 Euro oder der Quadralite Pulse Pro 600 flash knapp 500 Euro kostet, dann fällt das schon ins Gewicht. Wegwerfen und Neukaufen? Dann liege ich bei zwei Anschaffungen im Bereich der teurer Markenware.

Und was für mich ein weiteres wichtiges ausschlaggebendes Argument für die etablierten Firmen ist: Meiner Recherche zufolge bieten sie in Deutschland einen Reparaturservice an.

Fazit

Ich habe aus der Situation im Sommer 2018 folgende Konsequenz gezogen: Zwar werde ich um meinen Geldbeutel zu schonen auch weiterhin preiswertes Fotoequipment kaufen. Doch bei der Anschaffung setze ich mir eine Grenze, die bei 150 Euro bis maximal 200 Euro liegt. Bei Blitzen, Stativen, Kameras und allem anderen, das darüber liegt, kaufe ich Markenware.

4 Kommentare zu „Markenware statt Billigprodukte aus Fernost?“

  1. Wir selbst haben eine Canon (seit mehr als 5 Jahren) und sind mit dieser Spiegelreflexkamera mehr als zufrieden. Werde diesen Bericht auch gleich mal an befreundete Fotografen weiterleiten. =) Liebe Grüße Lisa =) von machmaleineauszeit

  2. Hallo, schöne Erkenntnis in einem Bereich. Arbeite in einem anderen Bereich und hier ist es ähnlich. Es lohnt sich in gute Produkte zu invenstieren um nicht am Ende doppelt oder dreifach zu zahlen. Nicht zu vergessen, denn Ärger mit dem kaputten Teil und die Neuorganisation. lg angelique

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