Englischer Oldtimer: Ein Morgan 4/4 aus dem Jahr 1938 im Hof von Schloss Sandfort
Englischer Oldtimer: Ein Morgan 4/4 aus dem Jahr 1938 im Hof von Schloss Sandfort

Meine Faszination für Oldtimer

Eine Artikelserie über Besitzer von Oldtimern hat vor einigen Jahren meine Begeisterung für alte Autos ausgelöst. Damals ahnte ich noch nicht, wie sehr sie meine fotografischen Interessen beeinflussen würde.

Themen für das Sommerloch

Zu jener Zeit war ich Redakteur bei den Dortmunder Ruhr Nachrichten. Wie in jedem Jahr hatte ich für die nachrichtenarme Zeit, also für die Sommerferien, interessante Themen für die Ausgabe Selm gesucht. Einer meiner Kollegen aus der Anzeigenabteilung besaß damals zwei Oldtimer, einen Morgan Plus 8 und einen Morgan 4/4. So begann ich die Artikelserie mit einem Portrait über ihn und seine Leidenschaft für diese britischen Roadster.

Aus einem Artikel wurde schließlich eine ganze Serie. Denn mein Kollege hatte einige Bekannte in Selm und Umgebung, die ebenfalls vom Oldtimer-Virus befallen waren. Ich schrieb zum Beispiel über den Besitzer eines BMW 502, besser bekannt unter dem Namen Barockengel, über einen Käfer-Fahrer oder den Liebhaber eines Peugeot 203 Decouverable.

Begeisterung, die ansteckt

Die Begeisterung dieser Enthusiasten, wie sie über ihre Schätze sprachen, und auch die schönen Formen dieser Autos steckten mich derart an, dass ich fortan selbst zu einem Fan alter Autos wurde – ohne bislang selbst einen zu besitzen.
Wie sich im Laufe der Jahre herausgestellt hat, schwärme ich für Fahrzeuge von Mitte der 30er- bis 50er-Jahre. Ich mag deren runde, fließende Formen.

Auch als freier Fotograf halte ich meine Begeisterung für die Zeitzeugen der Automobiltechnik lebendig. So mache ich häufig Vintage-Fotos, in denen ein Oldtimer Teil des Shootings ist. Stöbern Sie in meiner Foto-Galerie . . .

Online-Magazin Opel POST

Ein ganz besonderes Erlebnis hatte ich, als ich einen Artikel für die “Opel POST”, dem Online-Magazin des Rüsselsheimer Autobauers Opel, geschrieben habe. Darin porträtiere ich Martin Degener. Der Münsterländer sammelt seit vielen Jahren Opel-Oldtimer. Der Artikel “Eine Garage voller Geschichten” ist hier zu lesen . . . 

Zeitungs- und Online-Artikel über Oldtimer

Ein Zeitungsartikel, den Heiko Kalweit über einen Morgan-Besitzer geschrieben hat

In 5,2 Sekunden auf 100 – Manfred Breyer erfüllte sich mit seinem Morgan einen Lebenstraum

SELM – „Schnallen Sie sich an – und ziehen Sie richtig fest“, fordert Manfred Breyer seinen Beifahrer auf. Der ahnt nichts böses, stutzt nur ein wenig, als er in dem grünen Morgan Platz nimmt und sich nicht in einem üblichen Drei-Punkt-, sondern in einem Fünf-Punkt-Gurt wiederfindet. Verschnürt wie ein Paket. Als Breyer den Motor anlässt dröhnt aus dem Auspuff tiefes Blubbern. Ohne Vorwarnung drückte er das Gaspedal durch und lässt die Kupplung fliegen.

Hart gefedert

Der Morgan macht einen Satz, drückt Fahrer und Beifahrer in die Sitze und flitzt mit einer enormen Beschleunigung über die Straße. In 5,2 Sekunden auf 100 Stundenkilometer, wie Breyer nach der Spritztour erzählen wird. Doch noch ist an ein Gespräch nicht zu denken. Flott geht es übers Land und rasant durch die Kurven. Dem Beifahrer schießt durch den Kopf: Reicht dafür der Führerschein, oder braucht man eine Fluglizenz? Das englische Auto liegt wie ein Brett auf der Straße. Jede Unebenheit, jedes Schlagloch sind zu spüren. „Das Morgan-Fahrwerk ist so hart, dass der Fahrer weiß, ob sie mit oder ohne Filter ist,  wenn er über eine Zigarettenkippe fährt“, zitiert Breyer schmunzelnd auf einer langen Geraden einen geflügelten Morgan-Spruch. Später, nach dem Ausflug, erzählt Breyer, dass er den „Morgan Plus 8“ 1998 in Süddeutschland gekauft hat. Zwar in einem fahrbereiten Zustand, „doch das war mir nicht gut genug, weil ich das Auto so haben wollte, dass ich langfristig keine technischen Probleme habe“.

Hobby-Schrauber

Also fing der Selmer an, den 1972er Roadster zu restaurieren. „Und plötzlich hatte ich ihn ganz auseinander.“ Der Hobby-KFZ-Mechaniker ersetzte jede Schraube, imprägnierte das hölzerne Fahrwerk gegen Holzwürmer, baute einen Überrollbügel und Fünf-Punkt-Sicherheitsgurte ein. Da die Heizung den Morgan nur schwerer machte, flog sie raus. Auch den Motor nahm Breyer komplett auseinander und gesellte zu den 153 PS weitere 47 Pferdestärken. „Das Faszinierende an dem Auto ist die Form mit der lang gestreckten Motorhaube und dem kurzen Heck“, antwortet der 53-Jährige, weshalb er so für die englische Marke schwärmt.  Außerdem vermittele der Roadster ein tolles Fahrgefühl. Als er mit 18 bei einem Importeur in Unna einmal probefahren durfte,  „war es für mich klar: neben einem Haus, einer Frau, einem Kind und einer Eiche wollte ich auch einen Morgan besitzen.“ 1989 erfüllte sich der Familienvater mit Eigenheim seinen motorisierten Traum. Hatte Breyer bereits als 18-Jähriger Autorennen bestritten, packte ihn auch als Morgan-Fahrer das Wettkampffieber. So gesellte sich wenige Jahre später zu dem „Morgan plus 8“ ein „Morgan 4/4“.  „Den habe ich aufgebaut und bin damit rund zehn Jahre historische Rennen gefahren.“

Vize-Europameister

Auf allen Strecken zwischen, Monza und Silverstone ist er zu Haus. So nahm er bereits an der „Triumph-Competition“ teil und an der Meisterschaft für englische, historische PKW. 1997 wurde der 53-Jährige Vize-Europameister. Und wenn es das Wetter zulässt, unternimmt er mit seiner Frau Marita am Wochenende Ausflüge durch das Münsterland – schön piano, aber immer mit angelegten Fünf-Punkt-Gurten.
Zeitunsartikel von Heiko Kalweit mit dem Titel "Rasen sollen die anderen"

Rasen sollen die anderen – Helmut Spittmann hängt an seinem 54 Jahre alten Peugeot 203 Decouverable

NORDKIRCHEN – „Die Türen nannte man früher Mädchenfängertüren“, sagt Helmut Spittmann, als er an dem silberfarbenen Griff zieht und die Fahrerseite seinen Peugeots 203 öffnet. Er schmunzelt, wartet einen Augenblick. „Weil sie nach hinten aufklappen und so die Mädchen leichter ins Auto gezogen werden können“, erklärt er schließlich. Es sind nicht die eigenen Erlebnisse mit dem cremefarbenen Franzosen, die er da erzählt. Der Nordkirchener kennt die Geschichten „nur“ aus Erzählungen. Trotzdem sieht man es ihm an, dass er Spaß an solchen Histörchen hat. Genau soviel Spaß wie an seinem Peugeot 203  Decouverable aus dem Jahr 1950. Kein Wunder, denn: „Laut letzter Liste gibt es nur noch zwei oder drei davon.“

Total zerlegt

Vor l7 Jahren fanden Spittmann und der Oldtimer zu einander. „Ich suchte etwas zum Restaurieren. „Kommissar Zufall kam mir dabei zur Hilfe, dass ich ausgerechnet auf dieses Auto gestoßen bin”, sagt der ehemalige Peugeot-Vertragshändler. Nachdem er den Oldtimer vom Niederrhein in seine Nordkirchener Werkstatt transportiert hatte, machte er sich an die Arbeit. „Wir haben das Auto total zergelegt.” Türen, Scheiben, Verkleidung, Armaturenbrett, alles musste raus.

Gut in Schuss

Zum Glück war der Wagen gut in Schuss und die Schweißarbeiten daher „nicht der Rede wert“. Die Arbeiten zogen sich aber dennoch über rund 350 Stunden hin. Der Oldtimer mit seinen 45 Pferdestärken und dem 1,3-Liter-Motor begeistert den Nordkirchener immer wieder durch seine Zuverlässigkeit. Helmut Spittmann würde sich nie von seinem Auto trennen. Das Dach des Peugeot 203 Decouverable lässt sich zurückrollen wie bei einer „Ente“. Auf dem altmodischen Tacho steht „44703“. Spittmann: „Da gehört mit Sicherheit mit Sicherheit noch eine Zwei oder Drei davor.“ Ihm ist es egal, dem Wagen sowieso. Der Automechaniker ist aber nicht der einzige, der Spaß an dem Wagen hat. Vielen Brautpaaren, die er in den vergangenen Jahren zur Trauung gefahren hat, geht es ebenso. Denn der Peugeot ist ein richtiger Hingucker. Auf dem Hof an der Lüdinghauser Straße sieht er aus wie der kleine Bruder eines amerikanischen Straßenkreuzers der 50er-Jahre.

Kotflügel

Die Kotflügel sind deutlich, aus heutiger Sicht nahezu verschwenderisch geschwungen. Der Kühlergrill mit seinen silberfarbenen Querstreben geben der Luft viel Platz, um in den Motorraum zu gelangen. Wenn Helmut Spittmann mit seinem Peugeot 203 Ausflüge unternimmt, dann ist er gerne gemütlich unterwegs. 80 Stundenkilometer reichen ihm. „Er würde 105 km/h sicher noch schaffen”, ist der Automechaniker überzeugt. Doch das Rasen überlässt er den anderen.

Ein Stück von mir

„Der Wagen ist ein Stück von mir selbst”, antwortet der 66-Jährige auf die Frage, was ihm der Oldtimer bedeute. Er habe viele Arbeitsstunden in die Restaurierung gesteckt, sei Peugeot-Händler gewesen, und vor allem sei seine Tochter die erste Braut, die er mit dem Auto zur Kirche gefahren habe. Daher bestehe im Hause Spittmann eine große Einigkeit: „Das Auto zu verkaufen, das können wir uns nicht vorstellen.”
Artikel über einen Autosammler im Online-Magazin Opel Post